Automatisierung & KI
Warum kleine Betriebe KI nicht einsetzen: Es liegt nicht am Geld
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Wenn im Mittelstand über künstliche Intelligenz gesprochen wird, endet das Gespräch oft bei den Kosten. Die amtliche Statistik sagt etwas anderes. Das Statistische Bundesamt erhebt jährlich, wie Unternehmen ab zehn Beschäftigten Informationstechnik einsetzen, und fragt dabei auch jene, die sich gegen künstliche Intelligenz entschieden haben, nach ihren Gründen. Die Antworten für 2025 zeichnen ein klares Bild.
26 %
der deutschen Unternehmen ab zehn Beschäftigten haben 2025 Technologien der künstlichen Intelligenz eingesetzt. Bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten waren es 23 Prozent, bei 50 bis 249 Beschäftigten 36 Prozent, ab 250 Beschäftigten 57 Prozent.
Zwischen dem kleinsten und dem größten Größenbereich liegen also fünfunddreißig Prozentpunkte. Das ist ein erheblicher Abstand, und die naheliegende Erklärung wäre Geld: Große Häuser können sich Versuche leisten, kleine nicht. Genau diese Erklärung hält der Erhebung nicht stand.
Was Unternehmen tatsächlich abhält
Gefragt wurden Unternehmen, die den Einsatz erwogen und sich dagegen entschieden haben. Mehrfachnennungen waren möglich. In der Größenklasse 10 bis 49 Beschäftigte, also dem typischen kleinen Betrieb, verteilen sich die Antworten so:
- Fehlendes Wissen im Unternehmen: 73 Prozent
- Unklarheit über die rechtlichen Folgen: 64 Prozent
- Bedenken beim Datenschutz: 60 Prozent
- Unvereinbarkeit mit vorhandenen Geräten, Programmen und Systemen: 46 Prozent
- Verfügbarkeit oder Qualität der eigenen Daten: 44 Prozent
- Zu hohe Kosten: 33 Prozent
- Ethische Erwägungen: 23 Prozent
73 zu 33
Fehlendes Wissen wird mehr als doppelt so oft genannt wie zu hohe Kosten. Der Preis steht in der Rangfolge der Hindernisse an sechster Stelle, nicht an erster.
Bemerkenswert ist auch, wie wenig sich die Größenklassen unterscheiden. Beim fehlenden Wissen liegen kleine Betriebe bei 73 Prozent, große bei 67. Bei den rechtlichen Folgen ist der Abstand größer, 64 gegenüber 56 Prozent, aber auch dort ist es für beide das zweithäufigste Hindernis. Das Problem ist also nicht eines der Betriebsgröße. Es ist eines, das große Häuser nur früher gelöst haben, weil dort jemand dafür bezahlt wird, sich damit zu befassen.
Drei Hindernisse, die zusammengehören
Die drei häufigsten Antworten beschreiben nicht drei Probleme, sondern eines in drei Ausprägungen. Wer nicht weiß, wie ein System arbeitet, kann die rechtlichen Folgen nicht einschätzen. Wer die rechtlichen Folgen nicht einschätzen kann, weiß nicht, welche Daten hineindürfen. Und wer das nicht weiß, entscheidet sich vernünftigerweise dagegen.
Diese Entscheidung ist keine Rückständigkeit. Sie ist die richtige Entscheidung auf unvollständiger Grundlage. Ein Betrieb, der Kundendaten in einen Dienst gibt, dessen Verarbeitung er nicht beschreiben kann, verstößt gegen Artikel 30 der Datenschutz-Grundverordnung, unabhängig davon, ob etwas passiert. Die Zurückhaltung ist also begründet, und sie verschwindet nicht dadurch, dass jemand ein günstigeres Angebot macht.
Was daraus folgt
Wenn das Haupthindernis Wissen ist und nicht Geld, dann ist die übliche Reihenfolge falsch herum. Üblich ist: Werkzeug auswählen, einführen, danach schulen. Aus den Zahlen folgt die umgekehrte Reihenfolge.
- Erst verstehen, was die Werkzeuge können und wo sie zuverlässig falsch liegen. Das ist eine Frage von Tagen, nicht von Monaten, und es ist die Voraussetzung dafür, ein Angebot überhaupt beurteilen zu können.
- Dann klären, welche Daten das Haus verlassen dürfen und welche nicht. Wo die Antwort „keine“ lautet, kommen Modelle infrage, die auf eigener Hardware laufen. Das ist technisch unauffällig und beseitigt zwei der drei häufigsten Hindernisse auf einmal.
- Erst danach entscheiden, welcher Ablauf automatisiert wird. Diese Entscheidung braucht Zahlen darüber, wie oft ein Vorgang vorkommt und wie lange er dauert. Ohne sie ist jede Auswahl geraten.
- Und schriftlich festhalten, was wohin fließt. Das Verzeichnis nach Artikel 30 ist ohnehin Pflicht, sobald die Verarbeitung nicht nur gelegentlich stattfindet. Es nachträglich zu erstellen kostet mehr als es vorher zu führen.
Der vierte Punkt der Erhebung, die Unvereinbarkeit mit vorhandenen Systemen, verdient dabei eigene Aufmerksamkeit. 46 Prozent der kleinen Betriebe nennen ihn. Er lässt sich nicht durch Schulung lösen, sondern nur dadurch, dass eine Automatisierung auf dem aufsetzt, was schon läuft, statt es zu ersetzen. Wer für jede Automatisierung ein neues System einführt, verschiebt das Problem, statt es zu lösen.
Wie wir damit arbeiten
Wir setzen diese Reihenfolge auch bei uns um, und zwar in dieser Form: Am Anfang steht eine Schulung oder eine Prozessanalyse, nicht ein Werkzeug. Die Prozessanalyse kostet 950 Euro und liefert eine Rangfolge der Abläufe nach Aufwand und Nutzen. Sie gehört Ihnen auch dann, wenn Sie danach nichts weiter mit uns machen, und sie ist genau die Grundlage, die nach den Zahlen oben in den meisten Betrieben fehlt.
Wo Daten das Haus nicht verlassen dürfen, richten wir Sprachmodelle auf Ihrer eigenen Hardware ein. Wo sie es dürfen, halten wir schriftlich fest, welche Daten an welchen Anbieter fließen, und schließen einen Vertrag nach Artikel 28 der Datenschutz-Grundverordnung. Beides ist keine Zusatzleistung, sondern Bestandteil.
Und wir bauen auf dem auf, was bereits in Betrieb ist. Das ist selten die eleganteste Lösung, aber es ist die, die im Alltag getragen wird — und die 46 Prozent aus der Erhebung sagen, dass genau daran sonst viel scheitert.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind für kleine Betriebe keine schlechte Nachricht. Sie sagen, dass der Abstand zu den großen Häusern nicht am Budget hängt, sondern an einer Vorarbeit, die sich in Tagen erledigen lässt.