Daten & Analyse
Die Digitalisierungsschere: Kleine Betriebe machen mit, aber mit kleinem Geld
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In der Debatte über Digitalisierung im Mittelstand geht eine Zahl regelmäßig unter: Die kleinen Betriebe sind längst dabei. Sie geben nur sehr wenig aus, und der Abstand zu den größeren wächst.
73 %
der Mittelständler mit Digitalisierungsvorhaben haben weniger als fünf Beschäftigte. Auf sie entfallen aber nur 24 Prozent der Digitalisierungsausgaben.
Die KfW beziffert die gesamten Digitalisierungsausgaben im Mittelstand für 2024 auf 23,8 Milliarden Euro. Der Anteil der kleinen Unternehmen daran ist über die Jahre gesunken, während der Anteil der Mittelständler ab 50 Beschäftigten von 37 auf 41 Prozent gestiegen ist.
Warum das kein Zeichen von Desinteresse ist
Ein Betrieb mit vier Beschäftigten kann nicht denselben Betrag investieren wie einer mit sechzig. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob kleine Betriebe genug ausgeben, sondern ob das, was sie ausgeben, an der richtigen Stelle landet.
Genau dort liegt das Problem. Wer ein kleines Budget hat, verteilt es selten nach einer Rechnung, sondern nach dem, was gerade am lautesten drückt. Ein neues Werkzeug, weil ein Anbieter angerufen hat. Eine Website, weil die alte nicht mehr gefällt. Beides kann richtig sein, aber ohne Bestandsaufnahme ist es Zufall.
Bei KI zeigt sich dasselbe Muster
Der Bitkom hat 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt. Inzwischen setzen 41 Prozent von ihnen KI aktiv ein, nach 17 Prozent zwölf Monate zuvor. Weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz.
77 %
der Unternehmen, die KI einsetzen, sehen ihre Wettbewerbsposition dadurch verbessert. 52 Prozent berichten von einem messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg.
Diese Zahlen gelten für Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Für einen Betrieb mit fünf Personen sind sie nicht übertragbar, und wer sie trotzdem als Argument verwendet, verkauft mit einer Zahl, die nicht passt. Was übertragbar ist, sind die genannten Hindernisse: Anforderungen an den Datenschutz nennen 77 Prozent, Fachkräftemangel 70 Prozent.
Was ein kleiner Betrieb daraus machen kann
- Vor der nächsten Anschaffung ausrechnen, was der betroffene Ablauf heute im Jahr kostet. Dauer mal Häufigkeit mal Stundensatz reicht als Näherung.
- Bei begrenztem Budget zuerst dort investieren, wo dieselbe Arbeit jede Woche anfällt, nicht dort, wo der Ärger am größten war.
- Die Datenschutzfrage vor der Werkzeugauswahl klären, nicht danach. Sie ist der häufigste Grund, warum ein Vorhaben stehenbleibt.
- Kleine Schritte mit sichtbarem Ergebnis wählen. Ein durchgezogener Ablauf trägt mehr als drei halb eingeführte.
Der Befund der KfW ist also keine schlechte Nachricht für kleine Betriebe. Er zeigt nur, dass bei kleinem Budget die Reihenfolge über den Nutzen entscheidet, und nicht die Höhe.